Meinem Vater



Du warst Nicht-Kombatant,
doch Kämpfer, Du hattest etwas
von Cervantes Blut.
Die Eisenkreuze, so sei es geklagt,
die Du errungen, sie spiegelten dies Zeichen
im Blut von vielen, das verbrecherisch,
unmenschlich schier vergossen.
Doch werde ich nicht sagen: Deine Schuld!
Erhalten hast Du sie, weil Du den deinen halfst -
doch halfst Du manchmal auch den andern,
die sie zu Feinden hatten dir zuvor erklärt.

Du kehrtest später heim, später als and´re,
und liebtest deine Frau, das wirklich.
Mit ihr zusammen fandest du den Mut
und wurdest Lebensspender.
Auch dies bezeugen deine Kinder.

Mir warst Du Freund und Vater,
stets vertraut, und auch das Auge Gottes,
das als Kind sanft wachend auf mir ruhte.
Du heiltest meine Wunden, warst mir gut.

Erst später, als ich selbst zu seh´n begann,
erkannte ich, dass Du noch immer denen anhingst,
die dich wohl angenommen, dann doch fallen ließen,
wann immer auch ihr Sinn nach Eigennutzen stand.

Und doch, wenn ich an deinem Grabe steh´,
gelüstet´s mich, statt dir die Kerze anzuzünden,
dir aus der Hand das Feuer hinzureichen,
auf dass wir beide dann gemeinsam in der Türe steh´n
und eine rauchen.




Klaus Gölker   ©2003   | Home |