An eine Frau



Frei ist, wer sich selbst mit and´ren teilt,
im frei sein liebt sich Frau und Mann.

Versteht doch euer Fühl´n, Verlangen,
dann ist´s gelöst, das Herz vom Bangen.

Hier seien nun in Reimes Band,
die Frau´n genannt, die ich gekannt.

Die hohe Frouwe, göttlich, oh!
Du arme Frau, was fürch´st Du so?
Du bist so Frau wie and´re Frau´n,
Du kannst Dich doch das gleiche trau´n.

Musst Du dazu auf Mann´s Verlangen
herabseh´n mit so hohlen Wangen?
Erkenn im Mann Dein Ebenbild,
bist nicht auch Du gern frei, Kind, wild?

(So gib´s doch zu!)

Die beste Frau - von allen, holla-ho!
Kein Mann kann Dich erreichen so.
Und vom Podest, aus kalter Höh´,
erspürt mich höhnisch Blick, oh weh?

(Sag, tust Du Dir nicht selber weh?)

Kann Deines Freundes Tun und Streben
nicht Deinem Herz Gewissheit geben:
Hier lebt wohl einer, noch nicht klar,
doch wie, für was ist wunderbar.

Genügt nicht dies Erkennens Reiz,
schnürt zu Dein Herz ein seltsam Geiz?
Dass Du noch sagen kannst: Herrje,
wie meilenhoch ich drübersteh.

Wie kann ich Dich denn sonst erreichen,
wenn Du nicht Mensch bist, Meinesgleichen?

(So sei es doch!)

Frau, sag, tät Dich Dein Sehnen so arg binden,
lässt Dir die Angst, ihn zu verlier´n, die Sinne schwinden?
(Wer mag er sein, erkenn´s, versteh´s!)
Du musst die Bindungsangst verwinden,
sonst fesselst Du, was Freiheit braucht.
Du wirst in Freiheit Treue finden.

Der Mann, dem freudig Du Dich beigesellst,
der wird aus Freude selber trachten,
im Miteinander Dich zu achten.

(Liebe ist auch Eigen-Liebe!)

Du musst doch wohl den Mann nicht binden,
um eig´ne Schwäche, Angst zu überwinden?

Wohl angemerkt, zur Seite gern steht -Mann- Dir bei,
wo Manneskraft und Hilf´ zu geben sei,
doch nach Dir selber musst Du selber streben,
sonst suchst nicht Mann, nur Vater Du im Leben.

(Dem Vater, klar, willst Du als Tochter
Dich zur Frau nicht geben.
Noch suchst Du Kind im Mann,
ein ewig Kind ist Last im Leben!)

Frau, sag, erkennst´ Dich selbst im Seh´n?
Hast du gelernt, Dich selbst versteh´n?
Ist Dir Dein Sehnen eine Last,
oder ist´s Lust, welch´ Kraft Dir schafft?
Ist Dir die Kraft zum eignen Schaffen,
spürst Liebe Du im selber machen?
Hast Lust am eignen Körper Du - ,
gestehst Du diese Lust Dir zu?

Kannst auch im Spiegel Du besteh´n,
sagt Dir das was: inwändig schön?
Suchst Liebe Du zum Liebe geben,
stehst Du für Dich ein, frei im Leben?
Sind Lob, Kritik und Rat Dir wert,
hörst Du auch and´re, unbeschwert?

Dann zeig Dich mir! Hier steht ein Mann,
der selbst drauf achtet, dass er´s kann.

Willst Du Dich mit ihm glücklich machen,
dann lass Dich frei, fühl´ Dich im Lachen!




Klaus Gölker   ©2003   | Home |